Geschichte der Sonnencreme
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Die Sonnencreme ist noch ein erstaunlich junges Produkt der menschlichen Forschung und nimmt ihren Platz in der Geschichte erst im 20. Jh. ein. Der Hintergrund ist ebenso einfach wie soziologisch interessant: Bis in die 1930er Jahre hinein war ein dunkler Teint nicht angesagt. Jahrtausendelang war es vor allem in der europäischen Welt ein Zeichen von Reichtum, eine helle Hautfarbe zu besitzen. Sie zeugte davon, dass man nicht gezwungen war, sich – wie Arbeiter und Sklaven – der Sonne auszusetzen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Diese Gier nach heller, ja hellster Hautfarbe trug ihren seltsamste Blüten wohl in Frankreich zur Zeit des Rokoko (franz.: Rocaille, dt. Muschelwerk), als es Mode war, so genannte Mouches (Schönheitspflästerchen; eigentlich französisch Fliege) im Gesicht oder am Hals zu tragen. Dabei sollte eine Mouche nicht nur den Kontrast zur hellen Hautfarbe verstärken, sondern diente auch als Kommunikationsmittel. Je nach Gesichtspartie, auf der das Pflästerchen zu sehen war, wurden Botschaften ausgesendet. So beschrieb etwa die Position im Augenwinkel eine Frau voller Leidenschaft (la passionnée). Der Glückliche war dann der Liebhaber, der diese Botschaften richtig zu deuten wusste.
Die helle Hautfarbe war nun nicht jedem und jeder Reichen von Natur aus gegeben. Also half man mit diversen Mitteln wie Schminke und Puder oder sogar dem wiederholten Aderlass nach. Möglicherweise ist das Interesse europäischer Männer an den asiatischen Frauen (Sinnbildlich die Geishas, meist stark geschminkte japanische Unterhaltungskünstlerinnen ab dem 17. Jh.) auch damit zu begründen.
Es mag schon erstaunen, in welch kurzer Zeit sich das über Jahrhunderte manifestierte Schönheitsideal änderte. Noch im ausgehenden 18. Jh. war helle Haut ein Muss, kaum 100 Jahre späte wandelte sich das Bild. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Einiges spricht dafür, dass die Industrialisierung und der daran anknüpfende wachsende Wohlstand der Allgemeinheit das Bestreben vieler Ärzte unterstützte, die Bevölkerung zur Vorbeugung von Krankheiten zum Sport und zu Sonnenbädern zu treiben. Vielleicht spiegelt sich in diesem Wandel des Schönheitsideals auch die veränderte Haltung gegenüber dunkelhäutigen Rassen eine Rolle. Zwar wurden beispielsweise Indianer immer noch als minderwertig angesehen, doch die feine Gesellschaft wie auch das Bürgertum erkannte auch die exotischen Schönheiten. Ein weiterer Aspekt wird eine Rolle gespielt haben und hat sich bis heute etabliert: Gebräunte Haut dient heute als Zeichen von Reichtum. Denn wer einen braunen Teint präsentiert, konnte sich schon einen Urlaub in fernen Ländern leisten.
Erstaunlich ist sowohl bei der im Rokoko favorisierten hellen Haut wie auch bei der heute bevorzugten gebräunten Haut die hohe Bereitschaft, dauerhafte gesundheitliche Risiken einzugehen, um das Schönheitsideal zu erreichen. Dabei mag jeder selbst entscheiden, ob der tägliche Aderlass oder Hautkrebs schlimmer ist.
Die Entwicklung einer ersten Sonnencreme, die zum einen das Bräunen förderte, zum anderen den Sonnenbrand vermied, geht unter anderem auf den Firmenchef Eugéne Schueller (L’Oréal) zurück. Nachdem er selbst 1935 erfolglos mit Erdnussöl, Kokosöl und Olivenöl experimentiert hatte, übertrug er diese Aufgabe seinen Mitarbeitern, die bereits ein Jahr später ein entsprechendes Produkt auf den Markt brachten.
Allerdings war die deutsche Drugofa GmbH (Bayer Tochter) bereits 1933 mit delial auf dem Markt. Dies war die erste Creme, die einen UV-Lichtschutzfilter enthielt. Zahlreiche delial Lautwagen bewarben Mitte der 1930er Jahre an den Norddeutschen Stränden (Nordsee, Ostsee) das Produkt mit öffentlich gezeigten Werbefilmen. Rund 20 Jahre später brachte delial auch die erste Sonnenmilch auf den Markt (Sonnenschutz-Emulsionen wurden von nun an so bezeichnet) und führte einige Jahre später die Produktkennzeichnung mit dem Lichtschutzfaktor ein.
Anderen Quellen zufolge hat der Österreicher Fritz Greiter 1938 die Sonnencreme erfunden. Benjamin Green entwickelte für die Soldaten des 2. Weltkrieges 1944 eine Sonnencreme mit entsprechender Wirkung. Einen Lichtschutzfaktor gab es demnach aber erst 1962. Der schon erwähnte Greiter verkaufte ab 1968 mit seiner Firma UV-A-Schutzcremes. 1975 sorgte die wasserfeste Creme für anhaltenden Schutz, 1989 Mikropartikel und 1993 die Zugabe von Vitamin E. Diverse Quellen und Firmengeschichten nennen zum Teil sehr unterschiedliche Jahreszahlen. Es verdeutlich, wie wichtig den Herstellern der Eindruck der Kunden ist, möglichst seriös und zuverlässig zu erscheinen (Stichwort langjährige Erfahrung).
Die Geschichte der Sonnencreme kann auch durch die Forschung in bekannten Lexika nicht wirklich erhellt werden. Selbst mehrbändige Werke der berühmten Wissensbibliotheken legen keinen Wert auf dieses Stichwort. Wer die Geschichte in Dekaden definiert, kann auf genauere Daten verzichten. Die Markteinführung der Sonnencreme ist in den 1930er Jahren angesiedelt. Gesicherte Erkenntnisse über eine Schutzwirkung hielten in den Kriegsjahren (2. Weltkrieg) Einzug in die Produkte. Mit der Sonnenmilch bekam die Sonnencreme in den 1950er Jahren harte Konkurrenz, die heute mit einem Marktanteil von rund 70 Prozent vorn liegt (es folgt die Sonnencreme mit 20 Prozent). Schutz gegen die UV-A-Strahlen gab es ab der Dekade der Beatles. Mitte der 70er folgte die wasserfeste Creme, Ende der 80er übernahmen Partikelfilter die physikalische Seite der Schutzwirkung und seit über 10 Jahren enthalten Sonnenschutzmittel oft auch Vitamin E als Zusatz.
Seit einigen Jahren geht der Trend zu so genannten Cross-Over-Produkten, wie es auch in völlig anderen Industriezweigen modern ist (beispielsweise Automobilbau, Spielekonsolen usw.). Auch preiswerte Tagescremes etwa verfügen über UVA- und UVB-Filter, Sonnenschutzprodukte eignen sich auch für andere Einsätze (Bräunungscreme, Pflegemittel, Wellness-Lotion usw.). Die Folge davon ist eine schier unersättliche Menge an Produkten (geschätzte 3000 Artikel), die für den Schutz vor zu intensiver Sonnenstrahlung eingesetzt werden kann.
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